Neues aus dem Verein
2 Vorträge im Anschluss an die Mitgliederversammlung 2026 hatten das Kloster Hirsau im Fokus:
Armin Langner referierte über "Neue Recherchen zur Hirsauer Klosterlandschaft" und
Brigitte Bernert rückte das "Netzwerk - die Rolle des Klosters Hirsau im UNESCO-Antrag auf Weltkulturerbe" in den Blick
abgeschlossene „Summa“, sondern explizit auch als Hilfsmittel und
Ermunterung für weitergehende Forschungen.“
So drückte es Dr. Klaus-Peter Hartmann in seinem viel beachteten Buch über „Die Hirsauer Klosterlandschaft – Europäische Dimension einer mittelalterlichen Klosterreform“ im Jahr 2018 aus. Darin stellte er explizit 212 Klöster und klösterliche Siedlungen vor, die alle (manche vermutlich) die Hirsauer Reform eingeführt haben.
Genau dieser Aufruf war es, der Armin Langner bewogen hat, hier weiter zu forschen und zu recherchieren. Und so ergab es sich im Zuge aufwändiger und akribischer Feinarbeit, dass er sage und schreibe 120 weitere Orte identifizieren konnte, die ebenfalls einen Bezug zum Kloster Hirsau aufweisen.
Die Entscheidung, ob ein Ort einen Bezug zum Kloster Hirsau hat, machte Armin Langner von mehreren Bedingungen abhängig.
– die „Constitutiones Hirsaugienses“ sind eingeführt worden
– die Entsendung von Äbten oder Mönchen ist nachweisbar
– weltliche Stifter haben das Kloster gegründet
– Diözesan-Bischöfe waren Initiatoren, die gleichzeitig Äbte waren
– es gab untergeordnete Klöster (Frauenkonvente / Priorate / Propsteien)
– der Hirsauer Baustil bei neuerbauten Klöstern (Formenschatz / Grundriss) ist nachweisbar
– der betrachtete Zeitraum ist das letzte Viertel des 11. bis zum erstes Viertel des 13. Jahrhunderts
Waren mindestens zwei dieser Voraussetzungen gegeben, so gilt ein Bezug zu Hirsau als sehr wahrscheinlich.
So identifizierte Armin Langner beispielsweise St. Johannis in Lübeck, St. Michael auf dem Berge in Schleswig, St. Eucharius in Trier, St. Petrus und Willibrord in Echternach, St. Pantaleon in Hofen oder St. Jakobus in Hohenberg als „hirsauisch“.
Die nächsten Schritte, so führte Armin Langner aus, sind eine vertiefte wissenschaftliche Absicherung, die Gesamtdarstellung und Integration in die Webseite des Vereins „Freunde Kloster Hirsau“, sowie die Übermittlung der kompletten und verbesserten Daten nach Cluny. Dort sollen sie dann zusammen mit den anderen Hirsauer und Cluniazensischen Reformklöster in die „clunypedia“ aufgenommen werden.
Brigitte Bernert widmete sich in ihrem anschließenden Vortrag der Rolle, die das Kloster Hirsau im Anerkennungsprozess für das UNESCO-Weltkulturerbe spielen kann.
So führte sie aus, dass die Anerkennung als Weltkulturerbe nur erfolgreich sein kann, wenn der außergewöhnliche
universelle Wert des Kulturguts für die gesamte Weltgemeinschaft für gegenwärtige und zukünftige Generationen nachgewiesen werden kann.
Diesen Wert kann genau dieses Netzwerk der Hirsauer und Cluniazensischen Reformklöster schaffen. Insofern ist die wissenschaftliche Arbeit, die im Verein geleistet wird, auch bei der Identifikation neuer Glieder des Netzwerks, eine wesentliche Voraussetzung für ein erfolgreiches Anerkennungsverfahren – auch wenn das Ergebnis sicher noch einige Jahre auf sich warten lassen wird.
Insgesamt also eine äußerst spannende Verknüpfung von alter Musik mit neuester Technik.
Einen Eindruck seiner spannenden Arbeit vermittelt übrigens auch der Beitrag in der ARD Mediathek.
Die zahlreichen und fachkundigen Fragen an Prof. Morent im Anschluss an den Vortrag zeigten das große Interesse der Zuhörerschaft an diesem faszinierenden Thema. Prof. Morent wird am 27. September 2025 erneut in Hirsau zu Gast sein, um dann mit der „Schola Cantorum am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Tübingen“ einen Gottesdienst in St. Aurelius zu begleiten. Wir freuen uns schon jetzt auf ein musikalisches Highlight.











