Neues aus dem Verein

Zwei Vorträge im Anschluss an die Mitgliederversammlung am 22.5.2026 hatten das Kloster Hirsau im Fokus:
Armin Langner referierte über "Neue Recherchen zur Hirsauer Klosterlandschaft" und
Brigitte Bernert rückte das "Netzwerk - die Rolle des Klosters Hirsau im UNESCO-Antrag auf Weltkulturerbe" in den Blick

Armin Langner bei seinem Vortrag
„Text und Karte verstehen sich – wiewohl eine Einheit – nicht als
abgeschlossene „Summa“, sondern explizit auch als Hilfsmittel und
Ermunterung für weitergehende Forschungen.“


So drückte es Dr. Klaus-Peter Hartmann in seinem viel beachteten Buch über „Die Hirsauer Klosterlandschaft – Europäische Dimension einer mittelalterlichen Klosterreform“ im Jahr 2018 aus. Darin stellte er explizit 212 Klöster und klösterliche Siedlungen vor, die alle (manche vermutlich) die Hirsauer Reform eingeführt haben.

Genau dieser Aufruf war es, der Armin Langner bewogen hat, hier weiter zu forschen und zu recherchieren. Und so ergab es sich im Zuge aufwändiger und akribischer Feinarbeit, dass er sage und schreibe 120 weitere Orte identifizieren konnte, die ebenfalls einen Bezug zum Kloster Hirsau aufweisen.

Für die Zugehörigkeit zum Hirsauer Reformkreis stellte Armin Langner mehrere Kriterien auf:

  • die „Constitutiones Hirsaugienses“ sind eingeführt worden
  • die Entsendung von Äbten oder Mönchen ist nachweisbar
  • bei der Gründung oder Reform eines Klosters sind weltliche Stifter oder Diözesanbischöfe beteiligt, die bereits an anderer Stelle Klöster der Hirsauer Reform zuführten
  • Konvente sind in einem Abhängigkeitsverhältnis zu einem Hirsauer Reformkloster, also beispielsweise ein Abbatiat in Personalunion, Frauenkonvente, Priorate oder Propsteien
  • der Hirsauer Baustil bei neuerbauten Klöstern, sei es im Formenschatz oder im Grundriss, ist nachweisbar
  • der betrachtete Zeitraum ist das letzte Viertel des 11. bis zum ersten Viertel des 13. Jahrhunderts

Idealerweise sind mehrere dieser Kriterien erfüllt. Oft jedoch bleibe
die Einordnung eines Klosters ein Stück weit eine
Plausibilitätsentscheidung, so Armin Langner.

Erwähnung zahlreicher Klosterorte im Codex Hirsaugiensis

Einige ausgewählte Beispiele aus dem Vortrag von Armin Langner.

So identifizierte Armin Langner beispielsweise St. Johannis in Lübeck,  St. Michael auf dem Berge in Schleswig, St. Eucharius in Trier, St. Petrus und Willibrord in Echternach, St. Pantaleon in Hofen oder St. Jakobus in Hohenberg als „hirsauisch“. 

Die nächsten Schritte, so führte Armin Langner aus, sind eine vertiefte wissenschaftliche Absicherung, die Gesamtdarstellung und Integration in die Webseite des Vereins „Freunde Kloster Hirsau“, sowie die Übermittlung der kompletten und verbesserten Daten nach Cluny. Dort sollen sie dann zusammen mit den anderen Hirsauer und Cluniazensischen Reformklöster in die „clunypedia“ aufgenommen werden.

Brigitte Bernert widmete sich in ihrem anschließenden Vortrag der Rolle, die das Kloster Hirsau im Anerkennungsprozess für das UNESCO-Weltkulturerbe spielen kann. 
So führte sie aus, dass die Anerkennung als Weltkulturerbe nur erfolgreich sein kann, wenn der außergewöhnliche
universelle Wert des Kulturguts für die gesamte Weltgemeinschaft für gegenwärtige und zukünftige Generationen nachgewiesen werden kann. 

Diesen Wert kann genau dieses Netzwerk der Hirsauer und Cluniazensischen Reformklöster schaffen. Insofern ist die wissenschaftliche Arbeit, die im Verein geleistet wird, auch bei der Identifikation neuer Glieder des Netzwerks, eine wesentliche Voraussetzung für ein erfolgreiches Anerkennungsverfahren – auch wenn das Ergebnis sicher noch einige Jahre auf sich warten lassen wird.

Brigitte Bernert bei ihrem Vortrag