Der Brief, den Papst Gregor VII. 1074 an Graf Adalbert II. von Calw und dessen Gattin Wiltrud schrieb, lautet folgendermaßen:

„Bischof Gregor, Diener der Diener Gottes an Albert und dessen Gemahlin zum Gruß und apostolischen Segen.
Wir danken Gott dafür, dass Laien wie auch Frauen ihren Sinn zu Gott richten und die Pflege der Religion aus Einsicht gerne annehmen und sich bemühen, sie zu erhalten. Denn diejenigen, die um Seelen zu gewinnen als Bischöfe berufen und eingesetzt sind, und die ihren Untergebenen durch ihr Wort und Vorbild den Weg der Wahrheit lehren sollten, sind in diesen Zeiten vom Teufel verführt und verlassen nicht nur das Gesetz Gottes, sondern lassen nicht davon ab, es zu bekämpfen und mit ganzer Anstrengung den Umsturz zu betreiben. Umso weniger ist es verwunderlich, dass diese selbst die untergeordneten Ränge nicht von Verstößen abhalten, da ihre Ordination häretisch war und ihr Leben voller Unordnung und von Schandtaten bedeckt ist, und diese, solange sie die eigenen Frevel weder korrigieren noch beachten, die Vergehen der Untergebenen entweder durch Unachtsamkeit oder aus Angst in dem Bewusstsein der eigenen Vergehen zulassen. Von jenen wird zu Recht durch die Propheten gesagt: „Ihre Augen mögen sich verdunkeln, damit sie nicht sehen, und deren Rücken soll für immer krumm sein.“ (Röm 11, 10)
Deshalb, was auch immer diese gegen Euch oder sogar gegen das Recht daherreden mögen, und was sie Euch, die Ihr nicht wissenschaftlich gebildet seid, auch vorwerfen, um ihre Liederlichkeit zu verteidigen, bleibt in der Reinheit und Beständigkeit Eures Glaubens; was Ihr auch immer von simonistischen Bischöfen und Priestern oder von anderen, die dem apostolischen Stuhl untreu sind, ertragen müsst, glaubt standhaft und haltet fest.
Verfasst in Rom an den VII. Kalenden des Novembers [26. Oktober] 1074.“

MGH, Epistolae selectae, Gregorii VII Registrum, liber II, 11, Berlin 1923, S. 142, Übersetzung A. Langner